„Wir verlieren jeden Tag Leserinnen und Leser“ – Thomas Kager im neuen Podcast „Nah.dran.ge(h)n.“

Shownotes

Die Genossenschaft entwickelt Magazine, Corporate Books, Webseiten, Kampagnen und digitale Erzählformen, die klassische Formate neu verbinden. Thomas Kager teilt außerdem persönliche Erfahrungen, Herausforderungen und einen Buchtipp für die Weihnachtszeit.

Moderation: Irene Schlechtleitner, Fachbereich Genossenschaftskommunikation ** 🎧 Jetzt reinhören und mehr über kreative Medienarbeit erfahren!**

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Podcast #24 Thomas Kager

Ich bedanke mich für die Einladung Thomas Karger du hast Politikwissenschaften, Publizistik in Salzburg studiert. Ein Studienjahr an der Universität von Denver in den USA verbracht. Du hast da Mittel und Oberschulen unterrichtet und arbeitest seit 2004 beim Rätia Verlag im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Danach als Programmleiter und seit der Gründung im Jahr 2011 bist du der Präsident der Genossenschaft ex libris. Was genau macht Exlibris?

Ja, Exlibris ist entstanden aus dieser Verlagswelt der Edition Rätia. Rätia veröffentlicht seit 1991 Bücher mit allen Dienstleistungen, die damit verbunden sind. Es muss natürlich korrigiert werden, es muss lektoriert werden, Fotos, Grafik, bis ein Buch entsteht, all das braucht es natürlich zur Materie, prima, um das mal so zu sagen das Manuskript der Autorinnen. Und da sind wir dann oft gefragt worden. Na ja, ihr kennt ja jemanden, der übersetzen kann, Ihr habt ja bei euch im Team sicher jemanden, der korrigieren kann und diese Dienste haben wir dann als Verlag nicht recht anbieten können, weil wie sie ja selber für uns gebraucht haben. Aber gemerkt haben, dass das doch eine gewisse Nachfrage dafür eben besteht. Und aus diesem Gedanken heraus ist die Exlibris entstanden als Genossenschaft, weil wir da auf ein Netzwerk von freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zurückgreifen und das mittlerweile wirklich schon seit Jahrzehnten. Also das sind Leute, die bereits vorher für Raetia gearbeitet haben und seit der Gründung 2011 dann für die Exlibris.

Ja, das Besondere an der Genossenschaft ist eben, diese Formen der Genossenschaft. Das ist sicher etwas Spezielles, das ist eine Arbeitsgenossenschaft wie arbeiten die zusammen, wie funktioniert das?

Wir generieren Arbeit für unsere Mitglieder. Wir ziehen die Projekte an Land, in dem wir Kundenakquise betreiben, indem wir bei Ausschreibungen mitmachen, was meist sehr komplizierte Prozesse sind, bis hin zu größeren Projekten, wo man sowieso mehrere Partner braucht, die wir dann zusammenholen können, weil wir auf dieses Netzwerk zurückgreifen können. Also wir verschaffen Arbeit unseren Mitgliedern.

Und du verteilst dann die Häppchen an Arbeit an die einzelnen Spezialisten...

Ganz genau, ganz genau. Dann geht es wirklich drum um Spezialisten, dann geht es darum, dass man für ein, ich sag jetzt mal für ein Magazin im Tourismusbereich auf bestimmte Grafikerinnen und Grafiker zurückgreift, vielleicht in einem anderen Unternehmensbereich Corporate, wie zum Beispiel Nachhaltigkeitsberichte oder Geschäftsberichte vielleicht wieder auf andere zurückgreift. Dann machen wir natürlich auch sehr viel im Web-Bereich. Wir machen für unterschiedlichste Organisationen die öffentliche Hand auch, also es kommen auch Bücher dazu, das sind allerdings im Unterschied zum Verlag keine Verlagsprodukte, sondern eher sogenannte Corporate Books für Unternehmen, das sind, das sind besondere Bücher, die Unternehmen herausbringen, da haben wir jetzt gerade gestern einen Preis gewonnen. Und da sind wir jetzt schon auch ein bisschen stolz, muss ich schon sagen, denn ICMA Design Award in Gold für ein Buch, das wir für Dolomiti Super Ski für deren Jubiläum gemacht haben. Also wirklich ein gewichtiges Werk es wiegt, glaube ich, 2 Kilo mit Design Award. Also er gehört in erster Linie, muss man ja sagen, unserem Grafikpartner, mit dem wir zusammenarbeiten, Philipp Putzer von der Farbfabrik. Wir haben das Produkt von Null auf konzipiert. Zusammen mit dem Kunden, also in dem Fall Dolomiti Super Ski ist wirklich ein sehr, sehr gelungenes Werk und freut uns natürlich auch, dass es bei so einem internationalen Design Wettbewerb dann auch die Auszeichnung Gold bekommen hat.

Ja, du kennst dich da überhaupt aus. Vom ersten Textentwurf bis zum „Gut Druck“. Woher kommt denn das, wenn du jetzt auf dein bisheriges Leben zurückblickst?

Sicher vom Studium. Mein Wunsch war eigentlich, in der Oberschule im Bereich Journalismus zu arbeiten, ich habe mich dann für Publizistik und Kommunikationswissenschaft entschieden. Da war ich da bei der Inskription und dann hieß es ja, und das Nebenfach, und ich wusste gar nicht, was ich wählen sollte. Und da habe ich mich dann eigentlich spontan für Politikwissenschaft entschieden und hab dann nachher gewechselt. Dass ich letztendlich als Hauptfach Politikwissenschaft hatte, aber eben auch Publizistik, und so gesehen bin ich jetzt nicht ganz fremd in dem Bereich, wo ich arbeite, auch wenn beide Studien jetzt nicht so wie ein, ich sag jetzt mal Medizinstudium oder Jusstudium auf einen ganz klaren Job hin die Ausbildung anbieten, sondern relativ breit gefächert. Aber in dem Bereich bin ich ja dann auch unterwegs, also bereits im Verlag natürlich auch mit der inhaltlichen Komponente, Geschichte, Politik, alles, was damit zusammenhängt. Aber natürlich auch Textarbeit. Das war dann gerade bei Publizistik mit den journalistischen Kursen, die ich dann dort gesucht habe, immer ein Thema, natürlich auch. Ich kann mich daran erinnern, das ist in Salzburg eigentlich weniger angeboten worden, aber in USA war dann tatsächlich auch Grafik und Indesign auch dabei, wo wir so ein erstes Magazin mal kurz entworfen haben, hat sicher nach nichts Besonderem ausgeschaut, aber zumindest das Handwerkszeug kennt man dann schon ein bisschen. Wobei der große Berufswunsch bis zum Ende eigentlich eher der geblieben ist, Journalist zu werden. Allerdings musste ich noch den Zivildienst in Südtirol leisten, bin dann wieder zurückgekommen, da hat es dann auch nicht gleich eine Stelle in dem Bereich gegeben und hab dann angefangen zu unterrichten. Was schon klar war, dass es eine Übergangslösung war. Ich habe dann angefangen, weil es mich interessiert hat und weil ich davon gehört habe, für den Verlag Edition Raetia die Bild Redaktion für das Werk das 20. Jahrhundert in Südtirol zu übernehmen, also auch da schon sehr bildlastig und ich hab das gern, mir gefällt Fotografie. Ich kann mir Bilder auch sehr gut merken. Da weiß ich heute noch, das ist in dem Buch auf Seite 13, das war natürlich gerade bei dem Projekt dann schon ein wichtiger Aspekt aus den vielen Bildern, die eine Realität darstellen, welches Bild wählt man da jetzt aus, welches passt jetzt am besten auch zu anderen Bildern, die auf der Seite vielleicht auch schon abgebildet werden. Das sind dann so Skills, in die man immer ein bisschen reinwächst. Also ich hab die jetzt nicht alle während dem Studium schon gelernt, sondern mehr dann schon „Learning by Doing“ und „Sprung ins kalte Wasser“ manchmal.

Dann kommt dir eigentlich die derzeitige Entwicklung hin wieder mehr zum Bild, die digitalen Medien, entgegen.

Zum Teil sagen wir so, ich bin dann schon auch Text-Mensch gefällt mir, an Texten zu feilen. Bis hin zur Kommasetzung. Auch wie man etwas erzählt, da ist wir verstehen exklusiv bei Exlibris das schon größer und breiter als Storytelling, wie wir das auch immer sagen. Es ist, das ist einfach, erzählen wir, wir erzählen. Und Erzählung besteht aus aus Text, Erzählung besteht aus Bild. Das kann natürlich auch Bewegtbild sein und kann natürlich auch gesprochener Text sein, aber auch der gesprochene Text wird meist vorher schon geschrieben, also letztendlich kommt man ums Schreiben. Und um die um die Bilder nie herum. Natürlich haben wir dann kleine Aufträge von. Reine Pressemitteilung verfassen oder eine Übersetzung? OK, das wird dann so abgehandelt, aber sehr viel bieten wir schon als Paket eben an, als ein gesamtes Magazin, das wir dann. Auch entwickeln oder oder weiterführen, wenn es schon besteht oder erneuern und da gehört dann meistens alles ein bisschen dazu. Also wir. Wir haben dann die entsprechenden Leute, die schreiben, es wird dann korrigiert, es wird lektoriert, Freigabe, schleifen mit den Auftraggebern, Bildauswahl Layoutgestaltung. Bis hin dann zu Social Media, das vielleicht noch verbunden ist. Also crossmedial auch Verbindung mit mit der Webseite des des Auftraggebers, weil es vielleicht keine Ahnung das Video in Kurzform schriftlich im Heft gibt, aber eine Langform als Video. Auf der Webseite abrufbar ist mit einem QR Code verlinkt, aber eigentlich erzählen wir immer Geschichten.

Warum funktioniert das so?

Das hat wahrscheinlich in der Steinzeit vom Lagerfeuer schon funktioniert und deswegen funktioniert es heute auch noch so. Es ist tatsächlich aus wissenschaftlich erwiesen, dass wir uns Informationen ja besser merken, wenn sie in eine Geschichte verpackt sind. Und mit Geschichten sind Emotionen verbunden und diesen Aspekt darf man sowieso nicht unterschätzen und Emotion und Information in idealer Form ergibt eine gute Story und das kann dann ein Firma, das kann firmenrelevant sein, das kann eben für Tourismusmagazine für die Destination relevant sein. Wo es dann ja nicht nur darum geht, „wir sind das schönste Gebiet überhaupt“, das brauchen wir gar nicht sagen, sondern man erzählt ganz einfach, und dann hat man die Bäuerin vom Hof, die ein besonderes Krapfenrezept hat, dann hat man den Wanderführer, mit dem man mal im Selbstversuch auf irgendeinen Gipfel steigt und das dann dokumentiert bis hinzu so Produkte, die in der Region vielleicht hergestellt werden, wo man Betriebsporträt oder irgendwas noch einbauen kann. Also Geschichten gibt es ja wirklich immer zu erzählen, Auftraggeber denken eher in Themen, ja, wir müssen jetzt unbedingt noch was zur Wirtschaft machen und da muss unbedingt, keine Ahnung, die ... die Holzwirtschaft rein und dann sind wir die, die dann sagen, ja OK, welche Geschichte ist da jetzt. Und da vielleicht geht man jetzt mit dem Förster durch den Wald und schaut zu, wie er aussucht, welche Bäume geschlägert werden. Oder man geht dann wirklich im Sägewerk und schaut sich an wie ein Baumstamm zugeschnitten wird. Also da gibt es ja unzählige Möglichkeiten, ja, wie soll man sagen, ein Thema zu behandeln über mehrere Geschichten, und da sind wir, glaube ich, dann schon gut, während Auftraggeber dann sehr oft dann doch in der Materie schon so stark drin sind, dass sie, dass sie die Geschichten dann oft gar nicht mehr sehen.Die Geschichte die hinter Exlibris steht, wie lautet die?

Tja, die Geschichte hinter Exlibris ist die Geschichte eines, einer Gründung einer Genossenschaft mit drei Personen. Die jetzt mittlerweile gewachsen ist auf 5 Personen. Wir sind gestartet als reine Textagentur, würde ich jetzt sagen und sind mittlerweile wirklich eine Kommunikationsagentur, die von Kommunikationsstrategie bis hin zum fertigen Produkt im Magazinbereich im Online-Bereich eben arbeitet. Doch jetzt, mittlerweile ja 14 Jahre nächstes Jahr sind es wohl 15, das war schon auch eine schwierige Zeit, muss ich schon sagen. Wir haben am Anfang sicher Fehlentscheidungen getroffen, wir waren ja überzeugt, dass man gerade Übersetzung und Korrektur für, für die Kunden so einfach wie möglich gestalten soll, haben dann eigene Webseite, eine Plattform eigentlich generiert, eine Frontend, wo der Kunde ganz einfach dann Text hochladen kann. Im Backend können dann die freien Mitarbeiter zugreifen und die sehen dann ah, es ist ein neuer Auftrag reingekommen, dann kann der, ich sag jetzt mal Korrektorin 1 sagen, ich schnapp mir den Auftrag, dann ist er reserviert, dann macht sie den den Auftrag, gibt den dann nachher frei für die Kontrolle, damit jemand anders noch mal die Qualitätskontrolle machen kann. Und wenn alle diese Schritte dann fertig waren, hätte man noch mal klicken können und dann geht der korrigierte Text an den Auftraggeber und gleichzeitig wird schon die Rechnung generiert, die dann die dann gleich schon mitgeschickt wird. Das war ein irrsinnig teures Unterfangen, sowas zu programmieren, weil es sowas in der Form noch gar nicht gegeben hat. Und es ist absolut am Markt nicht angenommen worden. Kunden wollen zum Telefonhörer greifen, wollen mit jemanden reden, wollen wissen, wer das Macht, und das war wahrscheinlich alles viel zu ... zu anonym und wir dann auch noch zu neu. Das wäre alles sehr schlank gestaltet gewesen mit Zeit, die verloren geht, alles wirklich super. Aber ... aber leider eben von den Kunden nicht angenommen. Und wir haben dann tatsächlich aber auch bald gemerkt, dass es in diesem reinen Textbereich keine große Gewinnmarge natürlich auch zu holen ist. Auch sehr umkämpft, gerade im Bereich Übersetzungen, Übersetzungen heute mit KI ist dann sowieso was anderes und wir dann auch gemerkt haben, nein, letztendlich müssen wir uns weiterentwickeln und dann ist die die Korrektur und die Übersetzung Teil eben des größeren, weil eben ein ganzes Magazin vielleicht gestaltet wird oder eine ganze Kampagne oder ein eine Infobroschüre oder ein Folder sowohl im Printbereich wie auch im Onlinebereich. Aber eben nicht mehr die einzelne Dienstleistung als solche jetzt in Vordergrund stellen.

Du hast ja den die Edition Raetia übernommen von deinem Vorgänger, der ja bekannt war als Verleger vom alten Schlag, streitbar, leidenschaftlich, um den Menschen ungemein zugewandt, gibt es etwas, was du von ihm gelernt hast?

Vieles. Angefangen habe ich ja mit Öffentlichkeitsarbeit. Das hieß dann vor allem Pressemitteilungen und so verfassen. Ich habe dann während dem Studium ja auch schon Praktika gemacht, bei der APA, bei der Astria Presse Agentur und bei anderen Institutionen und war wirklich überzeugt, ich kann das. Gut, Gottfried hat noch immer was zu korrigieren gefunden. Da hab ich schon mal da viel von ihm gelernt. Das war eine kurze Lernphase und ab da hat es dann geheißen, so das machst du jetzt, das ist jetzt dein Bereich und ich schau da jetzt gar nicht mehr groß hin, das ist dein Verantwortungsbereich und dieses Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Verantwortung zu übertragen, das ist schon etwas, was ich gelernt habe. Erstens fühlen sich Leute wohl, wachsen in ihrer Rolle und können das auch. Natürlich denkt man sich manchmal, ich hätte es anders gemacht, aber anders heißt ja nicht besser, so etwas habe ich von von Gottfried wirklich gelernt, da war, da war er Meister, er hat gut Sachen delegieren können, andere Leute motivieren können und er war bis zum Schluss ein Quell an an neuen Ideen, also er kam immer wieder mit neuen Ideen, umsetzen war dann etwas schwierig, das hätte auch zeitlich gar nicht alles hingekriegt. Aber tatsächlich ist die Idee der Gründung der Exlibris im Büro entstanden und und Gottfried hatte da schon seinen Anteil. Also er hat schon ein paar Mal gesagt, das sollten wir mal als als Dienstleistung anbieten und irgendwann mal habe ich gesagt, gut, OK, dann machen wir es und und dann habe ich es halt in die Hand genommen. Du hast es in die Hand genommen und hast der Exlibris ja auch einen neuen. Stempel aufgedrückt.

Ja, dann schon zusammen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Also wir haben sehr gute Mitarbeiterinnen, wir haben jetzt mittlerweile eine Doppelführung, was die Geschäftsführung anbelangt, die Geschäftsführung war ja vorher auch noch in meiner Hand, in den ersten Jahren. Und Valeria Dejaco und Steffi Unterthiner haben sich gleich geeinigt, dass sie sich jetzt in Zukunft diese Rolle ganz einfach teilen wollen. Es gibt eine doppelte Geschäftsführung und ich find das super.

Als Modell vorausgehen.

Ich denke schon. Das kann ein Beispiel auch für andere sein. Also es gibt ja doch, man hat ja oft so im Kopf, so diesen einsamen Wolf an der Spitze, der dann extrem sowohl kreativ und genial ist und sowieso alles kann. Das sind glaube ich eher verstaubte Bilder von gestern. Man muss viel mehr in in Bereich Team denken, Verantwortung übergeben und überlassen. Entwicklung zulassen und genau da ist auch eine solche Doppelführung ideal. Also mein meine Rolle, ich arbeite auch mit, bin Präsident der Genossenschaft und für die Protokolle und alles Formale zuständig, was das Genossenschaftliche anbelangt, aber letztendlich den den Karren vorantreiben, das machen die beiden Geschäftsführerinnen.

Das heißt, mit dem Kapitel schreibt Ihr ein neues Narrativ oder eine neue Geschichte.

Wir stehen nicht still. Wir haben uns in dieser Zeit seit 2011 seit der Gründung ein paar Mal weiterentwickelt, haben unsere Fehler gemacht, haben immer wieder gute Entscheidungen getroffen, neue Geschäftsfelder aufgetan und auch bei den Mitarbeiterinnen immer wieder neue Kräfte dazu gewonnen. Also bis jetzt ist noch niemand gegangen, ist ja auch ein gutes Zeichen und so arbeiten wir weiter und entwickeln uns auch weiter.

Gibt es ein Projekt, auf das du besonders stolz bist?

Boah, das ist jetzt eher schwierig, weil wir, weil wir so viele tolle Projekte haben, ganz unterschiedliche. Wir haben für die 75 Jahre Autonomie, nein 50 Jahre Autonomie, das war ja ‘72 damals, ein Buch gestaltet für das für das Landespresseamt Agentur für Kommunikation des Landes, das ist ein sehr schönes Projekt gewesen, wo man wirklich tolle Autorinnen und Autoren engagieren konnte, auch bei der Buchgestaltung nicht sparen musste, Leineneinband ...also da, ... das ist einfach toll und das, das können wir uns ja oft als Verlag oder so nicht leisten. Und auch bei bei den Kunden Produkten, die wir, die wir herstellen, geht es ja auch immer gerade darum, wieviel Budget ist eigentlich vorhanden. Wir können mit jedem Budget arbeiten. Aber natürlich macht es zwischendurch schon Spaß, wenn man mit einem schönen Budget arbeiten kann und etwas Tolles dann eben auch machen, das eine Wertigkeit ausstrahlt, die ja irgendwo auch überzeitlich ist. Das Buch kann man immer noch in die Hand nehmen und sagen, Boah, super, schaut gut aus.

Du hast mal in einem früheren Interview mit einer Kollegin von mir Buch als Gesamtkunstwerk bezeichnen. Da spüre ich oder höre die Leidenschaft für das Haptische. Was macht Buch als Gesamtkunstwerk aus?

Das Gesamtkunstwerk besteht wirklich aus diesem Zusammenspiel an gutem Text, gut lektoriert, denn Lektorat braucht dann auch noch der beste Text, die Bilder, die ausgewählt werden, die Grafik, das Design, der Umbruch und auch da steckt so viel Kleinarbeit drin, das kriegen Leserinnen und Leser ja gar nicht mit, wenn man den Text in Word sieht, wie die, welche automatischen Trennungen da rauskommen, das wird schon dudengerecht sein, aber das entspricht selten dem Auge und wie das Auge Wörter erfasst. Wenn darauf im Gestaltungsprozess Acht gegeben wird, dann lesen wir das ja mit ... mit einer größeren Leichtigkeit. Ja, das macht schon auch Freude, wenn man, wenn man sich dem eben widmen kann, und das machen wir aber nicht nur bei den Büchern, sondern auch bei den Magazinen, die wir, die wir gestalten, natürlich gibt es dann wieder andere Herausforderungen wie Magazine, die dann nachher mit der Post zugeschickt werden, also das ist schon spannend, da kommen ganz, ganz viele Dinge rein.

Das Buch ist ja eigentlich vielfach schon totgesagt worden. Dennoch existiert es weiter.

Totgesagte leben länger, heißt es ja, aber nichtsdestotrotz wandelt sich, glaube ich, die Welt schon sehr stark, und zwar sie wandelt sich in Richtung Bewegtbild, in kürzere Formate, kürzere Texte. Die Aufmerksamkeitsspanne sinkt. Das ist etwas, das hat man nicht genetisch schon in sich drin trägt, sondern das muss man lernen. Und wenn das Lernen, für viele junge Menschen heute in der Social-Media-Welt stattfindet, dann reicht die Aufmerksamkeit über einen Post nicht mehr hinaus. Und das heißt dann für längere Formate sowohl im Journalismus wie einer langen Reportage bis hin eben zum Buch, da gehen nicht mehr alle mit. Wir wollen natürlich nicht darauf reagieren, dass wir jetzt nur mehr Häppchen verabreichen, weil es sehr wohl auch immer noch Menschen gibt, die die gerne lesen und auch einen langen Text. Das sehen wir weiterhin als unsere Zielgruppe, aber wir dürfen da nicht naiv sein und uns denken, das geht ewig so weiter. Also geht es darum, zu verbinden von Social Media auf das Printprodukt zu verlinken. Also mal an Teaser, damit schon mal Interesse geweckt wird und dann hoffen, dass dann vielleicht Printprodukte in die Hand genommen werden und auch der ganze Text gelesen wird. Man muss im gestalterischen darauf reagieren, also man hat schon eine Handhabe, man kann schon einiges tun, aber Fakt bleibt trotzdem, dass wir verlieren jeden Tag Leserinnen und Leser.

Wie wird die Genossenschaft darauf reagieren?

Wir reagieren darauf, dass wir den Markt natürlich schon mal beobachten, dass wir uns immer wieder auch weiterbilden. Dann viel auch hier „Learning by doing“, schauen, was Kunden auch bereit sind. Gerade als Exlibris arbeiten wir ja für Kunden, die wir dann beraten - und glaube auch gut beraten - und tolle Vorschläge machen, aber dann hängt es ja vom Kunden ab was er, was er dann umsetzen will und wenn wir da aufgeschlossene Kunden haben, wo man dann vielleicht gemeinsam experimentiert und sagt, da überlegen wir uns jetzt etwas Neues, dann kann auch was Neues entstehen. Als ein anderes Produkt, das wir jetzt für das Landespresseamt machen da wird es darum gehen, dass wir eine Textebene haben, aber ganz, ganz kurze Texte nur und dann viele Bilder eigentlich so Hintergrund ist es, Südtirol über Bilder zu erzählen und dass man blättern kann und diese Kurztexte in 4 Sprachen lesen kann, also Englisch, Deutsch, italienisch und Ladinisch und gleichzeitig aber um eine zusammenhängende Erzählung zu bekommen. Wir sind wieder beim Storytelling, da gibt es einen QR Code, der auf eine Audiospur führt und ich dann wie bei einem Museumsguide eigentlich Blätter und gleichzeitig die Stimme in Ohr habe, die mir die zusammenhängende Geschichte dieses Kapitels erzählt.

Wie wird sich das Weiterentwickeln aus deiner Sicht?

Da, das gibt es wahrscheinlich Berufe noch, die darauf eine Antwort. Ich bin von von meinem Charakter her eher ein Optimist, also will ich dran glauben, dass es, dass es gut werden wird und dass wir das lernen, auch mit diesen neuen Möglichkeiten umzugehen. KI ist da sicher ein tolles Hilfswerk, wir nutzen das natürlich auch, aber KI ist schon auch etwas, wo man vorsichtig sein muss, wo man bedacht damit umgehen muss. Und ja, letztendlich wird es daran liegen, dass auch in Zukunft Menschen, gerade junge Menschen, kritisch erzogen werden.

Stichwort nachdenken. Viele machen sich jetzt schon Gedanken über das nahende Weihnachtsfest. Hast du zum Abschluss noch einen Buchtipp für ein gelungenes Weihnachtsgeschenk?

Oh, da hätte ich jetzt natürlich viele Tipps, die werde ich wahrscheinlich gar nicht alle unterbringen können. Wir haben ein veganes Kochbuch herausgebracht von Carlotta Perego. Das würde ich auf jeden Fall empfehlen, weil wirklich viele Rezepte drin sind. Nicht dass ich jetzt Veganismus als Religion verkaufen möchte, überhaupt nicht, aber dass vielleicht weniger Fleisch essen eine gesunde Alternative ist, dass hat man ja mittlerweile verstanden. Und die italienische Küche hat ja ganz viele und reichhaltige Rezepte, auf die man zurückgreifen kann. Und da hat Carlotta Perego, die ja eigentlich ich glaub unter den Foodbloggern in Italien, ja so die die Nummer 1 ist und das Buch haben wir jetzt ins Deutsche übersetzt.

Vielen Dank, Thomas Karger, dass du heute bei uns warst. Vielen Dank auch allen Hörerinnen und Hörern fürs Zuhören. Diese und weitere Folgen von nah dran gehen finden Sie auf den gängigen Podcast Plattformen und auf der Homepage des Raiffeisenverbandes Südtirol auf Wiederhören.

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